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Das Pädagogische Konzept (Frühjahr 2016) - Link zum Download

„Die Seele wird vom Pflastertreten krumm. Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden und tauscht bei ihnen seine Seele um.“
Erich Kästner

Grundgedanke

Der Naturkindergarten Isarauen möchte Kindern Raum – den Raum der Natur – geben, damit sie sich individuell und zugleich eingebettet in eine Gemeinschaft optimal entwickeln können. Die Natur ermög- licht es den Kindern, Kompetenzen zu entwickeln, die sie für die Bildung eines positiven und starken Selbstkonzeptes brauchen.

Dazu gehört zunächst, sich selbst und seinen eigenen Körper kennen zu lernen, um die Reise ins Un- bekannte anzutreten und sich mit seiner Umgebung nach und nach vertraut machen zu können. Durch eigenes Tun und ein ganzheitliches Erleben mit allen Sinnen findet das Kind zu einer intensiven Wahr- nehmung, zu seinem ureigenen Forschungsdrang.

Dabei verzichten wir auf vorgefertigtes Spielzeug. De Kinder entwickeln mit den Materialien, die die Natur ihnen bietet, eigene Spielideen. Das soziale Lernen steht im Vordergrund. Wir setzen nicht auf die Vorverlegung schulischer Lernstoffe in die Kindergartenzeit; wir bieten in einer lebendigen Umgebung Raum zum eigenen Erleben.

Aufbau und Struktur

Mit unserem Kindergarten können wir 24 Kindern die Möglichkeit geben, in den Isarauen Natur und Gemeinschaft zu erleben. Die jüngeren Kinder kommen zunächst drei Tage die Woche und haben die Möglichkeit, durch phasenweise besonders intensive Betreuung behutsam in die Gruppe hinein- zuwachsen. In der Regel wechseln diese Kinder nach einem Jahr zu den 5-Tage-Kindern.

Gruppenstruktur

3-Tage-Kinder (zwei bis drei Jahre)
Sechs Kinder besuchen den Kindergarten an den Tagen Montag, Dienstag und Donnerstag im Zeitraum von 8:45 bis 12:45 Uhr.

5-Tage-Kinder (drei Jahre bis zum Schuleintritt)
18 Kinder besuchen den Kindergarten von Montag bis Freitag im Zeitraum von 8:15 bis 14:15 Uhr.

Betreuungsschlüssel

Das Team setzt sich aus zwei Erzieher*innen, die sich die Gruppenleitung teilen, einer Kinderpflegerin und zwei jährlich wechselnden Kräften (SPS, Bufdi, FSJ) zusammen.
Zusätzlich wird das Team einmal wöchentlich von einer Heilpädagogin und von einer Rhythmiklehrerin ergänzt.

Elternmitarbeit

Die Elternschaft übernimmt in verschiedenen Funktionen die Organisation des Kindergartens und trägt damit entscheidend zu einem gelungenen Kindergartenalltag bei. Die Aufgaben der Eltern umfassen regelmäßige Dienste wie Geschirrdienst, Reinigung der Bauwagen und der Toilette, Wäschedienst etc., sowie feste Ämter, die jeweils zu Beginn eines neuen Kindergartenjahres verteilt werden.

 

Standort

Unser Areal befindet sich im Herzen der Isarauen, zwischen Aubach und Wilhelm-Kuhnert-Straße. Von dort aus erkunden wir täglich die Isarauen in einem Umkreis von ca. zwei Kilometern. Unsere beiden Bauwagen dienen uns als Rückzugsort bei besonders schlechter Witterung.
Da im Winter fünf Tage am Stück draußen sehr anstrengend sein können, lockern wir von November bis April die Woche mittwochs mit einem Tag in einem großen angemieteten Raum in der Nähe des Maria-Hilf-Platzes auf.

Zusätzlich haben wir im Notfall in Fällen extremer Witterung wie z.B. bei Sturm die Möglichkeit, tageweise in ein Jugendzentrum auszuweichen.

Pädagogischer Ansatz

Waldkindergärten entstanden aus der Idee heraus, wieder einen selbstverständlicheren Bezug zur Natur zu gewinnen. Der Bezugspunkt ist die Erfahrungs- und Erlebniswelt der Kinder. Deren Ideen, Interessen und Probleme stehen im Zentrum unserer pädagogischen Arbeit.
Dabei verpflichten wir uns nicht auf eine einheitliche pädagogische Richtlinie. Wir handeln nach dem situationsorientierten Ansatz und fühlen uns den pädagogischen Ideen von Rebecca und Maurizio Wild, Maria Montessori, Emmy Pikler und Jesper Juul verbunden. Unsere Arbeit ist in vielen Elementen auf deren Erkenntnissen aufgebaut (siehe Literaturliste).

Rechte der Kinder

Jedes Kind in unserem Waldkindergarten hat das Recht

  • auf Individualität. Jedes Kind wird so akzeptiert, wie es ist.

  • auf Selbstbestimmung. Jedes Kind darf seine Wünsche äußern und die eigenen Bedürfnisse im Sinne einer gesunden Entwicklung entfalten. Sein Wille ist frei, alle Wünsche dürfen vorgetragen werden.

  • auf Zuwendung, Geborgenheit, Wärme und Rückzugsmöglichkeiten.

  • auf eine individuelle, altersgerechte Entwicklung, bei der jedes Kind sein Tempo selbst vorgibt.

  • auf Fantasie und freies Spiel.

  • auf Schutz und Fürsorge durch verantwortungsbewusste Erzieher*innen und Eltern.

  • sich frei zu entfalten, Neues zu entdecken, die Konsequenzen des eigenen Handels zu erfahren und sich mit Risiken auseinanderzusetzen.

  • sich seine Freunde selbst auszusuchen.

  • auf Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft.

  • auf Mitbestimmung bei der Gestaltung des Kindergartenalltags.

  • auf Unterstützung dabei, ein positives Selbstbild und eine differenzierte Selbstwahrnehmung zu entwickeln.

  • auf einen ehrlichen, respektvollen und freundlichen Umgang.

 

Regeln und Grenzen

In unserem Kindergarten begreifen wir Regeln und Grenzen als wichtigen Faktor des Zusammenlebens. Dort wo die Grenze klar ist, findet das Kind einen sicheren Rahmen, in dem es seine Freiheit voll aus- leben kann. Die Regeln werden gemeinsam mit den Kindern erarbeitet, dadurch können sich die Kinder besser damit identifizieren. Wir sehen es als unsere wichtige Aufgabe, den Kindern das Ihnen zustehen- de Recht auf Beteiligung in der Praxis tatsächlich einzuräumen.

Es gibt drei Regelbereiche:

  • Respektregeln: Lernen, die eigenen und die Grenzen seiner Mitmenschen zu erkennen und zu akzeptieren

  • Räumliche Grenzen: Die Kinder können sich frei auf den Wiesen bewegen. Das ist aber nur möglich, da das Team und die Kinder gemeinsam Grenzen rund um diese Wiesen festgelegt haben, die ohne Betreuer nicht überschritten werden dürfen.

  • Sicherheitsregeln: Besonders im Sommer gibt es viele Beeren, Pilze und andere Gewächse, die unverträglich oder giftig sind. Deshalb darf nichts in den Mund gesteckt werden, ohne es vorher einer/m Betreuer/in gezeigt zu haben und ohne es zu waschen. Auch beim Bäume Klettern, beim Spiel am Bach oder an der Isar und im Umgang mit Hunden gibt es klare Vereinbarungen.

    Wir versuchen mit einem Minimum an Regeln auszukommen. Die Regeln, die es gibt, sind uns aber besonders wichtig.

 

Rolle und Aufgabe des Teams

Das pädagogische Team hat bei der täglichen kompetenten und achtsamen Begleitung der Kinder viele wichtige und unterschiedliche Aufgaben. Besonders hervorheben möchten wir dabei die folgenden Punkte:

Konfliktbegleitung
Wir sehen es als unsere Aufgabe, den Kindern bei der selbstständigen Konfliktlösung zur Seite zu stehen, alle Seiten vorurteilsfrei anzuhören und die Kinder dabei zu begleiten, eigene Lösungswege zu finden.

Selbstständigkeit fördern
Sowohl im Kindergartenalltag (Anziehen, Essen etc.), als auch im Freispiel, begegnen wir den Kindern mit einem Höchstmaß an Vertrauen in ihre Fähigkeiten und unterstützen sie, frei nach dem Satz „Hilf mir, es selbst zu tun“ von Maria Montessori, wenn nötig.

Beziehungsaufbau
Durch einen respektvollen und liebevollen Umgang, Zuhören, gemeinsame Aktivitäten und Spiele bauen wir eine stabile Beziehung zu den Kindern auf und werden zu Bezugspersonen.

Beobachtung

Durch eine regelmäßige und interessierte Beobachtung der Kinder und ihrer Aktivitäten erlangen wir Erkenntnisse über die Interessen, Kompetenzen, Bedürfnisse und Besonderheiten der einzelnen Kinder und der Gruppe und können so entsprechend darauf eingehen. Unsere Beobachtungen bringen wir in die Teamsitzungen, Elterngespräche und Supervisionen ein und bauen unser pädagogisches Handeln darauf auf.

 

Aufsichts- und Verkehrssicherungspflicht 

Als Team nehmen wir die uns übertragene Aufsichtspflicht sehr ernst. Dabei ist es uns jederzeit wichtig, die Waage zwischen der Entwicklung der Selbstständigkeit der Kinder und ihrer Sicherheit und Unversehrtheit zu halten.
Die Isarauen bieten viele Möglichkeiten zum Erkunden, Ausprobieren und Wachsen. Wir möchten dies den Kindern ermöglichen und achten gleichzeitig genau darauf, sie keinen unnötigen Gefahren auszu- setzen. Darum überprüfen wir regelmäßig unsere Aufenthaltsorte nach neu entstandenen Gefahren (wie zum Beispiel Äste, die herabfallen könnten).

 

 

Unsere pädagogischen Schwerpunkte

Als Waldkindergarten steht die Naturverbundenheit im Zentrum unserer pädagogischen Arbeit. Dabei sind uns folgende vier Punkte besonders wichtig.

Das Kind im Wald

Die Achtung vor dem Leben wird im täglichen Staunen über die Wunder der Natur auf ganz natürliche Weise erworben. In der Natur ist täglich spürbar, dass nichts bleibt wie es ist, dass Entstehen, Wachsen und Vergehen natürliche Prozesse sind und dass jeder Tag etwas Besonderes ist. Dadurch wird die Wertschätzung für die Natur gefördert und das Umweltbewusstsein gestärkt.
Der Freiraum und die Vielfältigkeit der Isarauen bieten zahlreiche Erkundungsmöglichkeiten aber auch Herausforderungen. Wenn die Kinder diese meistern, erfahren sie sich als kompetent und selbstständig. Größere Aufgaben sind hingegen manchmal nur gemeinsam zu schaffen und stärken die Gruppe und den Zusammenhalt.

Freispiel

„Am Spiel eines Kindes können wir verstehen lernen, wie es die Welt sieht und auslegt – was es gerne wäre, was ihm wichtig ist, welche Probleme es quälen. Im Spiel drückt es aus, was es kaum in Worte klei- den könnte. Kein Kind spielt zum bloßen Zeitvertreib, wenn es das selbst auch glaubt – genau wie die Er- wachsenen, die es beobachten. Selbst wenn es teilweise spielt, um die Langeweile zu vertreiben, ist doch das Spiel, das es sich aussucht, von inneren Prozessen, Wünschen, Problemen und Ängsten motiviert. Was im Kopf des Kindes vor sich geht, bestimmt das, was es spielt. Das Spiel ist seine Geheimsprache, die wir auch dann respektieren müssen, wenn wir sie nicht verstehen.“ – Bruno Bettelheim

Unter Freispiel verstehen wir, dass die Kinder selbst bestimmen, mit wem und was sie spielen, genauso wie Ort, Dauer und Art und Weise des Spiels. In unserem Kindergarten nimmt das Freispiel einen großen Raum ein. Darin drückt sich auch unser Vertrauen in die Kompetenzen und Stärken des Kindes aus.
Aus folgenden Überlegungen ist uns das Freispiel so wichtig:

  • Dadurch, dass Erwachsene weder bewerten, noch Lernziele vorgeben, werden beim Kind die Fähigkeit zum selbstbestimmten Lernen und seine Selbstkompetenz gefördert.

  • Für das einzelne Kind ist das Freispiel die Zeit, in der es seine Interessen zeigt und seine Persönlichkeit entfalten kann.

  • Die Zeit des Freispiels gibt dem Kind die Möglichkeit, sich als Teil einer Gemeinschaft zu erleben und im sozialen Miteinander unmittelbar die Reaktionen der Anderen auf seine Verhaltensweisen und Handlungen zu erleben.

  • Durch selbstständiges Ausprobieren und Experimentieren werden Lernprozesse in Gang gesetzt.

  • Durch intensives Freispiel gewinnt das Kind an Ausdauer und Konzentration.

    Erlebtes Lernen

    Die Isarauen bieten vielseitige interessante und natürliche Reize. Die Kinder spüren die unterschiedli- chen Witterungen auf der Haut, ertasten schleimige Schnecken, piksende Nadeln, raue Baumrinden und matschen nach Lust und Laune. Sie lauschen dem Rauschen der Blätter, dem Plätschern des Wassers und dem Gesang der Vögel. Beim Balancieren über Baumstämme und beim Laufen auf unebenen Untergrün- den, wie den Isarkieseln, schulen sie den Gleichgewichtssinn. Sie nehmen den Duft einer Blume oder von Sonne gewärmtem Holz wahr und beobachten das Spiel von Licht und Schatten.
    Diese Eindrücke und die natürliche Umgebung ermöglichen es den Kindern, echte Erfahrungen aus erster Hand zu machen. Auf spielerische Weise erwerben sie so vielschichtiges Wissen und erfahren sich selbst als wichtigen und wirksamen Teil ihrer Umwelt.
    Die Kinder erleben sich in der Natur als Entdecker und Forscher, als aktiver Teil eines großen Ganzen.

    Spielzeugarm

    Wir verzichten weitgehend auf Spielzeug, um den Kindern den notwendigen Freiraum zu lassen, aus natürlichen Spielmaterialien kreativ ihre eigenen Spiele zu entwickeln. Ein Stock kann ein Feuerwehr- schlauch, eine Puppe oder ein Telefon sein. Naturmaterialien fordern die Fantasie heraus, unterstützen alle erdenklichen Rollenspiele und sind wandelbar, je nach Bedürfnis und Verfassung der Kinder. Um nicht vorgefertigtes Spielzeug ins Spiel zu integrieren, müssen sich die Kinder austauschen und einigen. Dies fördert die Sprache und die sozialen Kompetenzen.
    Die Isarauen verändern sich stetig im Jahreslauf und bieten eine Vielzahl von Schätzen, welche bewegt, gestaltet und gesammelt werden können. Hilfsmittel, die dabei sinnvoll sind, wie zum Beispiel Lupen, Werkzeug oder Seile, stellen wir den Kindern zur Verfügung.
    Bücher zum Ansehen und Vorlesen, sowie Bastelmaterial sind im Bauwagen ausreichend und jederzeit vorhanden.

    Tiergestütze Pädagogik

    Den Kindergartenalltag begleitet an den meisten Tagen unser speziell ausgebildeter Labrador Resi.
    Der Kontakt zu Tieren ermöglicht Kindern eine besonders tiefgehende Naturbegegnung auf emotionaler Ebene. Tiere akzeptieren das Kind vorurteilslos, spenden Trost und spiegeln unmittelbar und ohne zu beurteilen das Verhalten des Kindes wider. Im Umgang mit Tieren wird das Wahrnehmungsvermögen geschult und die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung geweckt. Die Anwesenheit von Tieren eröffnet andere Kommunikationsmöglichkeiten auch für Kinder, die sich in der sprachlichen Kommuni- kation und im Ausdruck ihrer Gefühle gegenüber Menschen schwer tun, und hat daher einen anerkannt therapeutischen Charakter zur Stärkung sozialer und kommunikativer Kompetenzen.
    Der Umgang mit Hunden gehört für die Kinder in den Isarauen zum Alltag und muss früh erlernt werden. Ein in der Gruppe mitgeführter Hund ist ein zusätzliches Angebot, durch welches die Kinder Verantwor- tungsgefühl, Respekt, Trost und Zuneigung lernen und erfahren können sowie Selbstbewusstsein entwickeln können.
    Der Naturkindergarten Isarauen unterstützt daher die tiergestützte Pädagogik.

    Aktivitäten und Ausflüge

    Als Ergänzung zum Freispiel werden für die Kinder Angebote geschaffen, damit sie sich inhaltlich und gestalterisch mit sich und ihrer Umwelt auseinander setzen. Dabei ist es jedem Kind selbst überlassen, ob es daran teilnimmt oder nicht.
    Oft kommt es im Kindergartenalltag zu spontanen Angeboten: Beobachtungen der Kinder und ihre Erlebnisse werden vom Team aufgenommen und an Ort und Stelle vertieft: Ein Eichhörnchen am Wegesrand führt zu einem kleinen Exkurs über Nahrungskette und Winterschlaf.

    Neben den spontanen Angeboten gibt es auch vorbereitete Angebote, die gezielt an die ganze Gruppe, an Teilgruppen, aber auch an einzelne Kinder gerichtet sein können: der Bau eines Iglus, gemeinsames Zubereiten von Holundersirup oder Musik machen. Die Angebote werden möglichst lebensnah, ganzheit- lich (emotional, sozial, kognitiv und motorisch) und anschaulich gestaltet und fügen sich in ein inhaltliches Gesamtkonzept ein, welches das Kindergartenjahr strukturiert und gezielt Schwerpunkte setzt. Abwechslung in Inhalt, Umsetzung und Material regen immer wieder aufs Neue die natürliche Neugierde der Kinder an.

    Zusätzlich bietet einmal wöchentlich eine ausgebildete Rhythmiklehrerin Musik und Bewegung im Freien an.

    Vorschule

    Im Naturkindergarten Isarauen findet keine klassische Vorschulerziehung statt. Wir vertrauen darauf, dass das benötigte Wissen in Alltag und Spiel, auf den Interessen des Kindes beruhend, erworben wird. Der Naturkindergarten ist hierbei ein nahezu optimales Lernfeld, da das lebendige Umfeld die natürliche Neugierde der Kinder ganz besonders weckt. Die Kinder eignen sich hier auf spielerische, ganzheitliche Weise Fähigkeiten an, die in der Schule gebraucht werden:

    • Motorische Fähigkeiten werden beim Aufheben von kleinen Blütenblättern, zartem Anfassen von Insekten oder Abschälen von Baumrinde, sowie durch Klettern und Balancieren geübt

    • Freies Sprechen vor der Gruppe wird ausprobiert, wenn sich die Kinder neuen Kindern oder Mitarbeiter*innen vorstellen oder wenn im Morgenkreis verschiedene Themen besprochen werden

    • Konzentration und Ausdauer stärken die Kinder, wenn sie gebannt einen Regenwurm beobachten, ins Freispiel vertieft sind oder einer Geschichte lauschen

    • Zählen der anwesenden Kinder, Tiere (fliegende Enten!), Steine, Bäume

      Es ist wissenschaftlich belegt, dass Kinder aus Waldkindergärten, sowohl was soziales Miteinander als auch kognitives Lernen betrifft, sehr gut auf die Schule vorbereitet sind.
      (siehe Literaturliste: Gorges, R.; Häfner, Peter)

    Organisatorisches

    Im Kindergartenalltag sind folgende organisatorische Elemente von Bedeutung:

    Erziehungspartnerschaft

    Die Zusammenarbeit zwischen Eltern und Team ist uns sehr wichtig. Ein offener Austausch ist dafür entscheidend.
    Möglichst einmal im Jahr findet ein großes Entwicklungsgespräch für jedes Kind statt, welches
    ca. 1 Stunde dauert.

    Alle 6-8 Wochen finden Elternabende statt, bei denen immer auch pädagogische Belange der Gesamt- gruppe und Organisatorisches mit dem Team besprochen werden.
    Zusätzlich gibt es die üblichen „Tür- und Angelgespräche“ zum Austausch Während der
    Bring- und Abholzeit.

    Integration von Kindern mit besonderem Betreuungsbedarf

    Für Kinder, die in ihren Entwicklungsverläufen eingeschränkt oder verzögert sind, bietet der Naturkinder- garten gute Integrationsmöglichkeiten. Auf Grund der geringeren Gruppengröße und des pädagogischen Ansatzes, der jedem Kind besonders auch im Freispiel maximal Zeit, Raum und Nischen gibt, liegen strukturelle Bedingungen vor, die die integrative Arbeit unterstützen.

    Die genannten Bedingungen erhöhen die Chance der Integration, insbesondere für Kinder mit besonderen Herausforderungen. Der Kindergarten klärt mit den Eltern und gegebenenfalls mit der zuständigen Frühförderstelle vor einer Aufnahme die Möglichkeiten notwendiger zusätzlicher therapeu- tischer Maßnahmen..

     

    Partizipation und Beschwerdemanagement

    Partizipation und das Beschwerdemanagement liegen uns sehr am Herzen.
    Alle Kinder im Naturkindergarten Isarauen sollen im Kindergartenalltag lernen, ihre Bedürfnisse auszudrücken, und werden in ihren Bedürfnissen wahrgenommen.
    Wir realisieren die Mitbestimmung der Kinder durch viele Dinge im Alltag (die Kinder können z.B. darüber abstimmen, welcher Waldplatz aufgesucht wird). Die Kinder erfahren sich als Element einer demokratischen Gesellschaft.
    Alle Kinder werden von uns ermutigt, ihre Meinung offen zu sagen. Sie werden in ihren Belangen und Ideen oder auch ihrer Beschwerde ernst genommen und wir versuchen, ihnen das Selbstbewusstsein zu geben, ihren Standpunkt zu vertreten.

    Feste im Jahreslauf

    Im Kindergarten feiern wir die in unserem Kulturkreis üblichen Feste: Erntedank, St. Martin, Weihnachten, Fasching, Ostern, Sommerfest und natürlich Geburtstage.
    Bei Bedarf sind wir offen dafür, auch die wichtigsten Feste anderer Weltreligionen oder Kulturen aufzugreifen.

    Ausstattung

    Um einen Tag bei jeder Witterung in den Isarauen zu verbringen, ist wetterangepasste Kleidung (Sonnenhut, Regenkleidung, dicke Handschuhe etc.) unerlässlich.

    Förderung

    Der Naturkindergarten Isarauen e.V. ist gefördert von der Stadt München, sowie vom Freistaat Bayern.

     

    Literatur

    Beck, Alan, Katcher, Aaron: Between Pets and People: The importance of Animal Companionship, Purdu University Press, Cambridge, 1996

    Bettelheim, Bruno: Ein Leben für Kinder, dtv, München, 1993
    Elschenbroich, Donata: Das Weltwissen der Siebenjährigen, Goldmann Verlag, München, 2002

    Gorges, R. (2002): Waldkindergartenkinder im ersten Schuljahr ? eine empirische Untersuchung. http:// www.fbs.fh-darmstadt.de/HOMEPAGES/HomepageGorges2.htm, 24.04.2002

    Gorges, R.: Vernachlässigt der Waldkindergarten die Schulfähigkeit? In: KiTa-aktuell (Ausgabe Ba- den-Württemberg) 1999, Heft 5, S.113–117

    Gorges, R.: Der Waldkindergarten ? einaktuelles Konzept kompensatorischer Erziehung. In: Unsere Jugend 2000, Heft 6, S. 275–281

    Häfner, Peter: Natur- und Waldkindergärten in Deutschland : eine Alternative zum Regelkindergarten in der vorschulischen Erziehung, http://www.ub.uni-heidelberg.de/archiv/3135

    Klein, Lothar: Freinet-Pädagogik im Kindergarten, Verlag Herder Bremen
    Meyer, T. (2002): Kinder brauchen Wildnis. Erlebnispädagogik. natur & kosmos, September 2002, 22-28 Miklitz, Ingrid: Der Waldkindergarten, Luchterhand Verlag
    Montessori, Maria: Kinder sind anders, dtv

    Montessori, Maria: Lernen ohne Druck, Verlag Herder Freiburg Pikler, Emmi: Der neue Umgang mit Kleinkindern
    Pikler, Emmi: Laßt mir Zeit (Hrsg. Tardos, Anna), München 2001 Pikler, Emmi: Miteinander vertraut werden, Arbor Verlag

    Satir, Virginia: Kommunikation? Selbstwert? Kongruenz, Paderborn,1990
    Wild, Rebecca: Erziehung zum Sein, Erfahrungsbericht einer aktiven Schule, Arbor Verlag, 1995 Wild, Rebecca: Freiheit und Grenzen? Liebe und Respekt, Mit Kindern Wachsen Verlag
    Wild, Rebecca: Kinder in Pesta, Arbor Verlag

    Winner, Anna: Der spielzeugfreie Kindergarten – ein Projekt zur Förderung von Lebenskompetenz bei Kindern – Begleitstudie zur Suchtprävention im Kindergarten. Aktion Jugendschutz. Landesarbeitsstelle Bayern e.V.. München 1996

    Wisskirchen, Hubert: Die heimlichen Erzieher, Von der Macht der Gleichaltrigen und dem überschätzten Einfluss der Eltern, Kösel Verlag, München 2002